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Interview mit René Affentranger, CEO der createch ag

„Wir suchen das Einzigartige“

Teamgeist, Ehrgeiz, Freude an der Arbeit und finanzielle Unabhängigkeit: Auf diesen Pfeilern entwickelte sich die createch ag in Langenthal in den letzten 25 Jahren zum führenden Unternehmen im Bereich der Lasertechnologie. Geschäftsgründer und CEO René Affentranger blickt im Interview zurück - und nach vorne.

Medizinaltechnikfirmen, Uhrenhersteller, Weltraumbehörden und die Lebensmittelindustrie: Sie alle gehören zu den festen Geschäftspartnern der createch ag in Langenthal. Was macht Ihr Unternehmen für eine so vielfältige Kundschaft interessant?

René Affentranger (RA): Wir verfolgen konsequent eine Nischenpolitik und suchen das Spezielle und Einzigartige. Herausforderungen und Problemstellungen sind branchenunabhängig und dank der faszinierenden Lasertechnologie sowie unseren motivierten und innovativen Mitarbeitern finden wir überall unseren Platz. Nicht nur der Branchenmix ist speziell. Auch die Abmessung vom kleinsten zum grössten Teil ist eindrücklich. Sie steht im Verhältnis 1:750’000.

Als Sie Ihre Firma vor 25 Jahren gründeten: Dachten Sie damals schon daran, dereinst einen Teil zur Entdeckung des Alls beitragen zu dürfen?

RA: Damals wie heute nehmen wir alle Herausforderungen an, die nicht alltäglich sind. Oft treten Kunden mit Problemstellungen an uns heran, die bereits seit längerer Zeit auf eine Lösung warten. Das war auch bei den Attenuator Tube (Sprengrohr) für die Vega-, Ariane- und Atlas-Trägerraketen so. Die Trägerraketen transportieren die Satelliten ins All. Sobald die Rakete die Erdatmosphäre verlassen hat, wird die Nutzlastverkleidung mit Hilfe der Attenuator Tube gesprengt und der Satellit kann seiner Bestimmung nachgehen.

Gemäss Ihren eigenen Angaben ist die createch ag „das führende Unternehmen im Bereich Laserapplikationen“. Wo führt es? In der Schweiz? In Europa? Weltweit?

RA: „Führend“ bezieht sich auf die Vielfalt der Applikationen und der eingesetzten Lasertechnologien. Wir können mit Stolz sagen, dass wir in diesen Bereichen führend sind. Ob das jetzt in der Schweiz, in Europa oder weltweit zutrifft, ist für uns nicht relevant. Wir streben immer nach den neusten Technologien und optimieren Abläufe und Prozesse. Nur so ist es möglich, ganz vorne mitzuhalten.

Falls ein Fünfjähriger Sie fragen würde, worum es sich bei „Laserapplikationen“ handelt: Was antworten Sie ihm?

RA: Es ist wie Basteln! Wir trennen, wir verändern und wir fügen wieder zusammen. Das alles tun wir mit den unterschiedlichsten Materialien und mit gebündeltem Licht. Und wie beim Basteln darf die Freude auch bei unserer Arbeit nicht fehlen.

Die Führungsposition der createch ag kann drei Gründe haben: Die Konkurrenz schläft, ist gar nicht vorhanden - oder zieht im Wettbewerb mit Ihrem Unternehmen regelmässig den Kürzeren. Welche dieser Annahmen trifft zu?

RA: Die Mitbewerber schlafen ganz sicher nicht. Überall auf der Welt suchen innovativ Köpfe nach Lösungen und setzten diese um. Unser Teamgeist, gepaart mit unserem Ehrgeiz, Lösungen zu präsentieren und umzusetzen hebt uns aber sicherlich von vielen Mitbewerbern ab. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist die finanzielle Unabhängigkeit. Kommen neue Technologien auf den Markt und ist die Technologie für uns vielversprechend, steigen wir ohne Wenn und Aber ein.

Führen heisst auch, ganz oben zu stehen. Dort ist die Luft bisweilen dünn. Spüren Sie das?

RA: Wenn die Luft dünn wird, hilft nur eines: Seine Kräfte einzuteilen und sich auf seine Stärken und Schwächen zu besinnen.


Weiter bedeutet Führen, Verantwortung zu tragen. Wie nehmen Sie diese Aufgabe als Zulieferer von Firmen wahr, die zum Teil in höchstsensiblen Branchen tätig sind?

RA: Ein Zulieferer muss auf die Bedürfnisse und Wünsch der Kunden zu 100 Prozent eingehen und Trends erkennen. Kommen Kunden mit Forderungen auf uns zu, haben wir diese in der Regel bereits umgesetzt. Wenn nicht, sind wir optimal darauf vorbereitet, sie wunschgemäss zu realisieren.

Für ein zukunftsorientiertes Unternehmen seien „Innovation, Kreativität und Qualität“ unabdingbar, erklärten Sie vor einigen Jahren gegenüber dem „Schweizer Maschinen Markt“. Wie innovativ, kreativ und qualitätsbewusst ist die createch ag seither gewesen?

RA: Was die Infrastruktur betrifft, haben wir ein neues ERP-System evaluiert und uns für SAP entschieden. Eine 30 Mann-Firma und SAP? Dies löste bei vielen Geschäftspartnern Kopfschütteln aus. Wir haben aber die steigenden Anforderungen an die Administration, die Auftragsabwicklung, die regulatorischen Vorgaben und die Qualitätsanforderungen vorausgesehen und uns zugetraut, mit SAP zu arbeiten. Wir konnten in den letzten Jahren mit SAP ohne zusätzliche Investitionen auf alle Forderungen unserer Kunden eingehen.

In technologischer Hinsicht haben wir auf die UKP-Lasertechnologie (Ultrakurzpulslaser) gesetzt und dafür Anlagen gebaut, die höchsten Ansprüchen genügen. Sie halten dem Vergleich mit Anlagen von namhaften Maschinenbauern mehr als nur stand. Darüberhinaus ist zu sagen, dass unser eigens für unsere Prozesse erarbeitetes Schulungs- und Ausbildungsprogramm höchsten Qualitätsansprüchen genügt und von unseren Kunden sehr geschätzt wird. Dank unserer Innovationsfreude werden unsere Mitarbeiter stets gefordert, sich mit Neuem zu befassen. Das ist gut für Körper und Geist.


Welche Ziele hat sich Ihr Unternehmen als nächste gesetzt? Viel höher hinaus als ins All kann es - mit Laienaugen betrachtet - kaum gehen, und dort ist die die createch ag ja bereits präsent.

RA: Nicht die Höhe ist entscheidend, sondern die Herausforderung, Neues anzugehen und Bestehendes zu verbessern. Durchschnitt ist der Beginn im Kampf ums Dasein. Durchschnitt ist der Beginn von Verdruss und Langeweile.


In einigen Jahren werden Sie pensioniert. Ist der Gedanke daran für Sie eher erschreckend oder erfreulich?

RA: Erschreckend ist er mit Sicherheit nicht. Die createch ag ist breit abgestützt, die Aufgaben und Kompetenzen sind klar geregelt, die Firma ist fit für die Zukunft. Erfreulich ist die Vorstellung, in den Ruhestand zu treten, aber auch nicht. Probleme zu lösen, Innovationen zu erkennen und loszutreten: Das begeistert mich immer noch sehr. Der Schritt in die Pensionierung wird kommen, aber pensioniert zu sein bedeutet ja nicht, nicht mehr am Leben teilzunehmen. Ich habe auch in dieser Hinsicht noch einige Ideen.


Nur einmal angenommen, Sie hätten als Rentner die Gelegenheit, als Dankeschön für Ihre Arbeit einen Flug in den Weltraum mitzumachen: Wären Sie dabei?

RA: Ich esse Lebensmittel, die mit unseren Komponenten hergestellt werden, ich bin mit Instrumenten, die unsere Produktion durchlaufen haben, operiert worden, und in meiner Wirbelsäule stecken Implantate, die wir bearbeitet haben. Wieso sollte ich also nicht in einer Rakete, die wir mitgebaut haben, ins All fliegen?


Hinweis an die Redaktion 

Das Interview führte 

Johannes Hofstetter
Journalist BR
c/o Hofstetter Kommunikation
Pestalozzistrasse 50
3400 Burgdorf

Mobile: +41 76 537 74 84
Mail: post@hofstetterkommunikation.ch
www.hofstetterkommunikation.ch


Kategorien
#Allgemeine News / Events

Stichworte
25 Jahre, createch ag, Lasertechnologie, Laserapplikationen

Martin Kaempfer 2018

Martin Kämpfer

Head of Informatics

martin.kaempfer@createch.ch
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